Das war eine Leistung. Nestlé-Verwaltungsratspräsident Peter Brabeck äusserte sich übers Wochenende vom 28./29.1. in Le Temps, Basler Zeitung und SonntagsBlick ausführlich zum Film „Bottled Life“, ohne ihn gesehen zu haben.
Peter Brabecks Antworten in den verschiedenen Medien sind stark verallgemeinernd und seit langem bekannt. Brabeck wiederholt Aussagen, die ihm bereits im Film zugestanden werden. Etwa, dass Nestlé Waters nur 0.0009% des gesamten Süsswasserverbrauchs der Erde nutze. Das mag sein. Heruntergebrochen auf einzelne Regionen sind das aber gigantische Mengen: allein fast 4 Milliarden Liter jährlich im US-Bundesstaat Maine oder etwa gleichviel im wassserarmen pakistanischen Teilstaat Punjab. Die Leute in diesen Gegenden interessiert die von Nestlé global gepumpte Wassermenge nicht.
Zu den Fakten im Film sagt der Nestlé-Präsident gar nichts.
Unsere konkreten Fragen an Nestlé hier.
Zum vorläufigen Schluss noch dies. Peter Brabeck sagt im SonntagsBlick vom 29.1.: „Ich habe nie gesagt, Wasser brauche einen Preis."
In der NZZ vom 23.3.2008 hingegen sagt Brabeck das Gegenteil: „Wasser braucht einen Preis.“
Was gilt denn jetzt?
Wenn Wasser einen Preis hätte, würde mehr Wasser gespart. Das war früher die Brabeck-Message. Jetzt ist ihm diese Aussage offenbar unangenehm geworden. "Bottled Life" zeigt nämlich, wie Nestlé davon profitiert, dass Wasser keinen Preis hat. Etwa in Maine, wo Nestlé Waters gratis oder fast gratis Wasser pumpt, um es als Flaschenwasser an der ganzen US-Ostküste teuer zu verkaufen.
Das Wasser einen Preis braucht, schreibt Peter Brabeck auch in seinem eigenen Beitrag für den Corporate Social Responsibility Report 2011, unter dem Titel "A New Role for the Private Sector".
Urs Schnell, Produzent und Regisseur