2012-03-05 14:40

Wirbel um Ehrendoktor-Titel Brabecks

"Die kanadische Universität von Alberta hat vorgestern Nestlé-Präsident Peter Brabeck einen Ehrendoktortitel verliehen für den Umgang mit Wasserressourcen", schreibt die Zeitung DER SONNTAG in der Ausgabe vom 4.3.12. Und weiter:

"Wegen Nestlés umstrittener Wassergeschäfte stiess die Verleihung im Lehrkörper indes auf harte Kritik und schriftliche Protestschreiben. Professoren fürchten laut dem «Edmonton Journal» um die Reputation der Universität. Die Nestlé-Homepage listet den Titel bereits auf. Ob wohl Brabeck auch schon neue Visitenkarten hat drucken lassen?"


Proteste aus der ganzen Welt

Über 70 Organisationen aus 20 Ländern hatten die Universität of Alberta aufgefordert, den Ehrendoktortitel für Brabeck zurückzuziehen. Unter den Organisationen befinden sich die Public Services International (mit weltweit 20 Millionen Arbeitern aus 650 Gewerkschaften), Greenpeace Kanada oder der Council of Canadiens. 

Die Universität argumentiert, der betreffende Ehrendoktortitel ehre Menschen, die sich engagieren „für den Erhalt, die Verteilung und das Management einer der wichtigsten Ressourcen  der Menschheit: Wasser“.

"Die Realität sieht anders aus", schreibt der Council of Canadians. Nestlé sei eine der mächtigsten internationalen Stimmen für die Privatisierung von Wasser und dessen Nutzung als Handelsware. Der Council of Canadians kritisiert weiter, dass Peter Brabeck Einsitz in einen Wasserrat der Universität gegeben werde. Damit erhalte Brabeck eine „unangemessene Wichtigkeit und eine Plattform für seine Ansichten“.  

http://www.cbc.ca/news/canada/edmonton/story/2012/03/01/edmonton-protesters-.html

 

Nestlés Netzwerk: auch in der Schweiz

Seit Jahren weitet der Verwaltungsratspräsident von Nestlé sein Wasser-Netzwerk gezielt aus. Nicht nur im Ausland und bei zahlreichen internationalen Organisationen, sondern auch in der Schweiz. Die eidgenössische Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit Deza vermeldete anfangs März, sie habe mit 45 Organisationen eine sogenannte Swiss Water Partnership gegründet. Darin sitzt auch Nestlé.

 

Tages-Anzeiger/BUND schreiben:

Die grösste Herausforderung für die Partnerschaft ist laut Deza-Direktor Dahinden die Spannbreite der möglichen Aktivitäten. Konzerne und Hilfswerke hätten unterschiedliche Ziele und Ansichten, was oft zu Konflikten führe.  (...) Ein solches Unternehmen ist der Nahrungsmittelkonzern Nestlé, der mit dem Abfüllen von Grundwasser weltweit zig Millionen verdient und deswegen immer wieder in der Kritik steht. Die Mitgliedschaft bei der Swiss Water Partnership kostet den Milliardenkonzern lediglich 3000 Franken pro Jahr. Ein Hilfswerk von der Grösse einer Helvetas zahlt dafür 1000 Franken. Die Deza unterstützt das Sekretariat, das bei Helvetas angesiedelt ist, in seiner Aufbauarbeit mit einem Kredit von 540 000 Franken für die ersten 3 Jahre.

 


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